Neue Geschichten jeden Dienstag und Freitag.

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Geschichte Nr. 2 aus unserer Reise ins El-Comedor-Universum. Geschichte Nr. 1 über den Hintergrund von Comedor könnt ihr hier lesen.

Vor rund zweieinhalb Jahren zog ein neues Pärchen in unserem Mehrfamilienhaus ein und mit den beiden kam auch das Projekt El Comedor zu uns. Unterdessen machen vier der fünf Parteien mit und ehemalige Hausbewohner, die nicht allzu weit weggezogen sind, sind weiterhin Teil der Bestellgemeinschaft.

Alle drei Monate gibt es eine Bestellrunde, bei der wir zusammen Lebensmittel und Dinge für den Alltag aussuchen und bestellen. Dazu treffen wir uns immer abwechselnd in einer anderen Wohnung. Das letzte Mal waren wir bei uns. Zuerst gibt es immer etwas zu essen, zu trinken und den neusten Quartierklatsch, bevor wir dann zusammen die Bestellliste durchgehen. Da einige der Waren nur in grossen Einheiten geliefert werden, wie Mehl zum Beispiel, macht es Sinn, sich abzusprechen, gemeinsam zu bestellen und sich zu koordinieren. Und natürlich sehen wir uns auch einfach gerne. Beim Treffen können wir uns gegenseitig über Produkte austauschen und Ratschläge geben – so haben wir neben Mehl, Hülsenfrüchten, Pelati, Kokosmilch und Kosmetika oder Putzmittel auch schon Saubohnen und Buchweizenkörner ausprobiert. Das hätten wir sonst wohl nie getan.

Etwa drei Wochen nach der Bestellung findet die Auslieferung statt. Von der grossen Verteilzentrale werden alle Produkte unserer Gruppe in den Gang vor unserer Wohnung geliefert. Noch am gleichen Tag teilen wir grosse Einheiten in kleinere auf und sortieren die Produkte für die einzelnen Haushalte. Dazu brauchen wir Waagen und jede Menge helfender Hände. Ist alles verteilt, wird gesaugt. Dies ist immer unsere Aufgabe, weil wir im Parterre wohnen und unser Sauger der nächste ist.

Vor Comedor war ich kein Vorratstyp, ich musste häufig nach der Arbeit in den Laden und zwischen den anderen gestressten Leuten einkaufen, das hat mich immer genervt. Das hat sich jetzt stark geändert. Was haltbar ist, kaufen wir bei Comedor ein und für frische Produkte geht mein Freund am Freitag jeweils auf den Markt.  Brot backe ich fast immer selber und wenn ich mal eines kaufen muss, ist es einfach weniger fein. So gehe ich alles in allem wirklich nur noch selten in Supermärkten einkaufen, für mich ein schöner Gewinn an Zeit und Lebensqualität. Durch die Zusammenarbeit und die gemeinsamen Bestellanlässe haben sich auch die Beziehungen zwischen uns Nachbarinnen auf schöne Weise verändert. Wir teilen und helfen uns jetzt auch in anderen Bereichen viel häufiger. Wenn sie fertig mit Lesen ist, bringt mir jetzt meine Nachbarin zum Beispiel ihren «New Yorker». Dafür beteilige ich mich an den Kosten.

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Stories for Future lässt Menschen Geschichten erzählen. Über ein gutes Leben, eine gesunde Welt, über neue Perspektiven und alles, was sie schön finden, was ihnen wichtig ist und ihnen guttut.

Die meisten Geschichten entwickeln sich in einem Gespräch und wir schreiben sie auf. Manche Geschichten werden uns zugeschickt, auf Einladung oder spontan. Bislang haben wir die Geschichten nicht systematisch gesucht – sie ergeben sich durch spontane Kontakte, Empfehlungen und Zufälle.

Die Geschichten widerspiegeln nicht immer unsere Meinung; und die Geschichtenerzählerïnnen sind wohl auch nicht immer einer Meinung.

Stories for future wurde von Moritz Jäger und Gabi Hildesheimer von Tsuku ins Leben gerufen. Die Stiftung Mercator Schweiz unterstützt das Projekt mit einem finanziellen Beitrag. Weitere Interessenbindungen bestehen nicht.

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