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Am ersten Geburtstag meiner Tochter wurde im Züri-Zoo ein Elefantenbaby geboren. Meine Tochter ist nun ein grosser Fan von Elefanten. Eines ihrer ersten Wörter war das Wort «Bebefant». Das hat mich zum gleichnamigen Projekt inspiriert.

Bebefanten sind Spielzeugelefanten mit Rädern. Sie sind aus verschiedenen Kartonteilen zusammengesteckt. Man kann sie auseinandernehmen und wieder zusammenstecken. So muss nichts geleimt werden, das ist auch ökologischer. Ich wollte herausfinden, wie weit man mit diesem Prinzip gehen kann. Ich war immer schon an haptischen Materialien und dem Umsetzen von 3-Dimensionalem interessiert. Besonders Karton fasziniert mich, ein nachhaltiges und vielfältiges Material. Mich reizt, herauszufinden, wie robust Karton ist und was man damit alles machen kann. Wenn er kaputt ist, kann man ihn rausstellen zum Recyclen.

Zuerst waren die Bebefanten klein, mittlerweile haben sie die Grösse eines Laufrades. Nach dem fünften Prototypen habe ich jetzt die finale Version des Bebefanten mit einer limitierten Auflage von 50 Exemplaren. Meine Tochter hat die ganze Entwicklung mitbekommen. Es hat mich angespornt, als ich gemerkt habe, dass sie Freude daran hat. Als sie einmal am Rüssel gezogen hat, bin ich auf die Idee gekommen, dem Bebefanten etwas Mobiles zu geben. Nun kann der Bebefant mit dem Rüssel kicken, zum Beispiel einen Fussball.

Vor dem Bebefanten-Projekt hatte ich 7 Jahre lang ein Atelier an der Langstrasse und arbeitete dort als Grafiker und Illustrator. Nach einem Time-out erhielt ich dann im leerstehenden Altersheim Hottingen für ein Jahr ein kleines Zimmer zur Zwischennutzung. Ich wollte herausfinden, wie es für mich ist, in einem ganz eigenen Raum an eigenen Projekten zu arbeiten. Ich habe mir gesagt: Dieses Jahr widme ich hauptsächlich dem Bebefanten, um für mich zu entdecken, wie es ist, ein Produkt von A bis Z zu entwickeln. Diese Zeit des Ausprobierens konnte ich mir erlauben, da ich kurz vor meinem Time-out ein Erbe bekam. Ich habe mir damit ein bisschen Unabhängigkeit in der Arbeit und Spontanität im Tagesablauf geschenkt. Ich sagte mir: Nun mache ich, was ich gern möchte. In der Sprache meiner Tochter heisst dies: Ich will, was ich mache.

Mit dem Beginn im neuen Atelier werde ich mich wieder mehr um kommerzielle Arbeiten kümmern müssen. Eventuell werde ich auch eine Teilzeitarbeit als Grafiker suchen, denn ich habe gemerkt: Diese Zeit mit der ganz freien Arbeit an eigenen Projekten möchte ich eigentlich nicht mehr missen.

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Stories for future wurde von Moritz Jäger und Gabi Hildesheimer von Tsuku ins Leben gerufen. Die Stiftung Mercator Schweiz unterstützt das Projekt mit einem finanziellen Beitrag. Weitere Interessenbindungen bestehen nicht.

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