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Wieso s’Velo? Da gibt es viele Gründe. Das Velo war mein erstes Fortbewegungsmittel. Es fasziniert mich, dass reine Muskelkraft mich so schnell, unkompliziert und gut fortbewegt, und es ist für mich einfach ein Kultobjekt. Gebastelt und getüftelt habe ich auch schon immer gerne. Ich bin jemand, der gerne etwas selbst macht oder sich aneignet, Autodidakt halt. Es geht so zwar oft länger, bis ich etwas verstehe, dafür weiss ich es aber dann. Zum Fachmann gehe ich nur selten. Ich nehme lieber was auseinander, bis ich den Mechanismus durchschaue. So kann ich auch mal locker einige Stunden mit einem Hinterrad verbringen. Im Nachhinein denke ich mir dann schon ab und zu: Mein Gott, jetzt habe ich so lange rumgeschraubt und es funktioniert doch nicht! Velos flicken braucht Zeit. Da muss man auch der Typ dafür sein, Beharrlichkeit gehört dazu, nicht so schnell aufgeben und an Feinheiten rumtüfteln. Für Spezialanfertigungen ist Kreativität nötig. Aber nicht nur dazu, denn die Teile von verschiedenen Velos passen ja oft nicht einfach so zusammen. Dann lasse ich mir meistens etwas einfallen. Unterdessen habe ich ein ziemlich umfangreiches Teilchenlager. Das braucht Ordnung und System. Nichts nervt mich mehr, als wenn ich etwas nicht mehr finde. Meine Werkstatt ist trotz Ordnung meistens ziemlich voll. Ich bin aber auch froh, dass ich nicht mehr Platz habe. So bin ich etwas zurückhaltender mit neuen alten Velos. Ab und zu finde ich beim Entsorgen Velos in Altmetall-Mulden und komme nicht selten mit mehr Material nach Hause als ich selber weggebracht habe. Zusätzlich bekomme ich auch immer wieder ausgediente oder nicht mehr gebrauchte Velos von Leuten aus der Nachbarschaft, von Freunden und Bekannten. Aus zwei bis drei alten oder defekten wird dann wieder ein fahrbares, das im besten Falle jemandem Freude macht.

Freunde, Familie, Bekannte, eine Stiftung, die Flüchtlinge betreut, und das Sozialamt der Gemeinde wissen davon, das schwätzt sich herum. Wenn jemand nach einem Velo fragt, dann habe ich meistens etwas. Es muss aber schon richtig passen. Ein Velo fährt man nur, wenn man es gerne hat und es einem gefällt. Farbe, Stil und Rahmenart müssen stimmen. Extras wie ein Körbchen hinten oder vorne, oder eine besondere Klingel dürfen natürlich gewünscht werden. Es ist schon spannend zu sehen oder zu erraten, wer welche Art von Velo fährt. Ich bin unterdessen ganz gut im Einschätzen, liege aber auch immer mal wieder daneben.

Für meine Velos verlange ich ein Sackgeld. Das Flicken und Herumbasteln soll ja schliesslich ein Hobby sein und kein Business. Mit dem Geld finanziere ich den Kauf von neuen Teilchen. Dafür ist ein Lieferservice im Preis inbegriffen. Ich habe ein Velo-GA, bin deshalb sehr mobil und verknüpfe die Lieferung jeweils mit einer kleinen Reise.

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Stories for future wurde von Moritz Jäger und Gabi Hildesheimer von Tsuku ins Leben gerufen. Die Stiftung Mercator Schweiz unterstützt das Projekt mit einem finanziellen Beitrag. Weitere Interessenbindungen bestehen nicht.

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